Eine Wurst namens Sucuk

Darf ich vorstellen? Die türkische Knoblauchwurst und wie ich sie erst gehasst und dann vernascht habe.

Knoblauchwurst mit EiernMit Sucuk, sprich Sudschuk [ˈsuʤuk] mit ganz weichem dsch, verbindet mich eine Art Hassliebe. Die Knoblauchwurst hat einige Zeit gebraucht, um ihren Weg in meinen Mund bzw. mein Herz zu finden. Zu Beginn unserer Beziehung habe ich sie strikt abgelehnt. Ich mochte den Geruch überhaupt nicht, der durch die Küche waberte, wenn mein Mann sich ein paar Scheibchen zum Sonntagsfrühstück in die Pfanne haute. Ich habe die Nase gerümpft und gedacht, dass es ja glücklicherweise noch andere leckere türkische Sachen gibt. Salep zum Beispiel. Oder Boza.

Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an den Geruch und eines Tages schummelte der Gatte ein paar Scheiben seiner geliebten Wurst auf unsere selbst gemachte Pizza. Das sah ziemlich appetitlich aus und ich traute mich, einen Bissen zu probieren. Lecker. Es war einfach lecker. Ein bisschen scharf, sehr würzig, gar nicht so knoblauchig.

Seither esse ich Sucuk in allen erdenklichen Variationen. Einfach nur gebraten mit frischem Weißbrot, in größeren Stücken vom Grill, im getoasteten Käsesandwich oder wie bereits erwähnt als Pizzabelag.

Besonders gern mag ich die Sucuk aber in Gesellschaft von Eiern, die ganz unspektakulär zu den in Butter oder Margarine gebratenen Sucuk-Scheibchen in die Pfanne geschlagen werden. Dann verteilt man die Spiegeleier und Sucukstückchen auf die Teller der Frühstücksgäste, die schon ungeduldig auf ihren Anteil an der Cholesterinbombe warten. Die Pfanne darf gerne auch mit Weißbrot ausgeleckt werden.

Eier und Sucuk, Oliven, Tomaten und Schafskäse, all das gehört auf einen ordentlichen sonntäglichen Frühstückstisch. Bei uns zumindest.

Leider ist meine Beziehung zur Sucuk nicht ganz unproblematisch. Inzwischen liegt das weniger am Geruch vor oder nach dem Verzehr. Es ist diese störende Anhänglichkeit der Sucuk, die sich für den Rest des Tages mit kleinen Botschaften aus meinem Magen meldet. Deshalb muss sie oft länger in tiefgefrorenen Scheiben im Gefrierschrank auf ihren nächsten Einsatz warten. Aber wie das immer so ist, die negativen Aspekte einer Beziehung verdrängt man recht schnell und erinnert sich bald nur noch an die positiven Eigenschaften des Geliebten.

Deshalb werde ich am Wochenende wieder brav meinen Teller hinhalten, wenn es heißt: Wer will Sucuk zum Frühstück?

Foto: © Katja Tongucer

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1 Kommentar zu Eine Wurst namens Sucuk

  1. Danke für den Bericht, das klingt ja wirklich lecker. Als Deutschwurstfan werd ich das schnellstmöglich mal probiren! 🙂

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