Was essen wir heute?

Die türkische Küche ist reichhaltig und abwechslungsreich.
Und so lecker.
Und vorherrschendes Gesprächsthema. Neben dem Fußball versteht sich.

meze„Niye yemiyorsun?“
„Warum isst du denn nichts?“

Das ist einer der ersten Sätze, die ich auf Türkisch gelernt habe. Es ist der Standardsatz von Büyük Anne, der Großmutter meines Mannes. Sie verwendet ihn mit höchst vorwurfsvollem Ton, immer dann, wenn man nach drei Tellern köstlichstem Essen wirklich nichts mehr zu sich nehmen kann. Und dabei schaut sie so verzweifelt drein, dass man doch noch einen Teller nimmt. Man will diese liebenswerte, hervorragende Köchin einfach nicht beleidigen.

Die türkische Küche ist wirklich, wirklich lecker. Es gibt so viel mehr als Döner Kebab, bzw. es gibt mindestens 20 Sorten Kebab und keine davon kommt in einem vollgestopften, mit Knoblauchjoghurtsoße durchtränkten Fladenbrot daher. Es gibt zig Arten der Zubereitung von Auberginen mit Hackfleisch. Es gibt köstliche Vorspeisen und Salate und Fleischgerichte und Suppen und jede Region hat etwas anderes zu bieten. Es wird eigentlich nie langweilig. Man schaue sich nur einmal „Türkisches Essen“ in der Google-Bildersuche an.

gefüllte-teller

Deshalb haben es ausländische Restaurants auch vergleichsweise schwer in der Türkei. Es sei denn, es ist gerade Trend. Wie Sushi. Oder Fusion. Oder sowas.

Im normalen Alltag aber wird Türkisch gekocht.

„Kannst du schon Türkisch kochen?“

Das wurde ich zu Beginn oft gefragt. Dass ich damals noch überhaupt nicht kochen konnte, taten alle als Scherz ab. Nein, das gibt es doch gar nicht. So als Frau, da kocht man doch. (Und ich an dieser Stelle meist innerlich.)

Das Essen ist jedenfalls in der Türkei von enormer Wichtigkeit, ja, ich würde behaupten, es grenzt fast ein bisschen an Besessenheit. Schon beim Frühstück kommt gemeinhin die Frage auf, was es denn wohl zu Mittag und zu Abend geben könnte. In jedem guten Haushalt kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit klingeln und bekommt binnen Minuten ein Drei-Gänge-Menü serviert. Die Kühlschränke sind riesig und trotzdem immer zu klein.

Sitzt die Familie zusammen, wird oft ausführlich berichtet, was man den Tag über gegessen hat oder wo es das beste Kokoreç gibt. (Eine Information, auf die ich sehr gerne verzichte, es riecht köstlich, aber ich kann das nicht essen.) Dabei wird chefkochhaft gestikuliert, das Gesicht nimmt einen träumerischen Ausdruck an, jedes Detail des Lieblingsmahls wird in prächtigen Farben beschrieben und man kann geradezu sehen, wie dem Rest der Anwesenden das Wasser im Munde zusammenläuft.

Ich für meinen Teil liebe die türkische Küche, kann inzwischen auch ganz gut Türkisch kochen und ein Besuch auf dem Markt ist immer höchst inspirierend.

Und jetzt muss ich aufhören, ich muss noch mit meiner Familie besprechen, was es morgen zum Essen gibt.

Fotos: © Katja Tongucer

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