4 Männer und ein Tanbur

Ein Abend mit dem Evrim Demirel Ensemble im Rahmen des 23. Akbank Jazz Festivals.

Evrim Demirel EnsembleMein Mann mag Jazz. Da lag es nahe, dass wir zumindest eine Veranstaltung im Rahmen des 23. Akbank Jazz Festivals in Istanbul besuchen. Seine Wahl fiel auf ein Konzert des Evrim Demirel Ensembles im Babylon, einem Club im beliebten Kneipenviertel rund um den Tünel.

Ich wusste nicht genau, was mich erwartete. Jazz ist nicht so mein Ding, aber live wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Wir erlebten einen sehr schönen Abend in einer coolen Location. Leider ist „cool“ hier wörtlich zu übersetzen, denn die Klimaanlage sorgte für ziemlich viel Gänsehaut. Das unterkühlte Publikum wurde aber schnell von den warmen Klängen des Tanburs eingehüllt, das dem Jazz des Komponisten Evrim Demirel eine orientalische Note verlieh.

Auf der Bühne fanden sich also 4 Musiker ein. Neben dem Komponisten Evrim Demirel am Klavier und diversen elektronischen Tasteninstrumenten, hörten wir Erdem Göymen am Schlagzeug, Volkan Topakoğlu am Kontrabass und Özer Özel am wunderbaren, persischen Instrument, dem Tanbur.

Das Ensemble spielte größtenteils von Evrim Demirel komponierte Stücke, bei denen man fußwippend seinen Gedanken nachhängen konnte. Während der Mann am Piano höchst leidenschaftlich in die Tasten griff, der Schlagzeuger für den Beat sorgte und der Musiker seinen Kontrabass liebkoste, saß der bärtige Özer Özel meist mit verschränkten Armen und geschlossenen Augen da und wartete auf seinen Einsatz. Wenn er dann das Tanbur anschlug, änderte sich umgehend die Stimmung der Musik, wurde orientalisch und melancholisch und träumerisch. Özer Özel sorgte für wunderbare Akzente, auch als Sänger. Mit seiner sonoren, warmen Stimme bereicherte er die Jazzkompositionen mit altbekannten, osmanischen Volksweisen. Für mich war er der Star des Abends, der am Ende zu Recht tosenden Applaus erntete.

Nach knapp zwei Stunden endete der Abend im Babylon. Ich habe die Musik sehr genossen, die Location hätte ein wenig voller und wärmer sein können. Beim nächsten Mal muss ich mich wohl wärmer anziehen.

Foto: © Katja Tongucer

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