Zwei Mädchen: Istanbul-Story

Der Roman von Perihan Mağden ist ein Stück türkischer Literatur, fernab der üblichen Klischees. Verstörend und mitreißend.

Zwei Mädchen ©Suhrkamp VerlagMan muss sich einlassen auf diesen Roman. Er erzählt die Geschichte zweier junger Frauen aus verschiedenen Welten in Istanbul.

Zwei Mädchen

Da ist einerseits Behiye. Sie findet sich nicht besonders hübsch, ist ein wenig pummelig und rebelliert gegen ihre Eltern, die Gesellschaft und irgendwie auch gegen sich selbst. Gerettet werden will sie und als sie auf Handan trifft, sieht sie in ihr die Retterin, durch die alles wieder gut wird.

Handan ist ein wunderschönes Mädchen, das in seiner Naivität überhaupt nicht merkt, wie sie allen den Kopf verdreht. In Behiye findet sie eine Beschützerin, die ihr hilft, mit den Schwierigkeiten des Lebens zurechtzukommen. Zumindest kocht sie für sie. Das hat lange niemand getan.

Im Verlauf des Romans entwickelt sich eine verhängnisvolle Liebesgeschichte. Sie erzählt von Abhängigkeit und Verzweiflung. Von Gesellschaftsschichten und Überlebensstrategien.

Es ist ein temporeicher Roman, der immer mehr Fahrt aufnimmt und mit Krimielementen überrascht. Der Leser ahnt nur langsam, wohin diese Beziehung führen wird. Und doch wünscht man beiden Mädchen ein gutes Ende. Ein Happy-End gibt es jedoch nicht. So viel sei verraten.

Die Übersetzung

Wer sich noch nie mit der türkischen Sprache beschäftigt hat, dem wird die deutsche Übersetzung von Johannes Neuner zunächst ein wenig merkwürdig vorkommen. Die Übersetzung spiegelt aber sehr gut wider, wie im Türkischen kommuniziert wird, wie man sich mit Kosenamen anspricht und mit blumigen Ausdrücken um sich wirft. Hätte der Übersetzer diese Art der Kommunikation nicht ein wenig besser den deutschen Gepflogenheiten anpassen können? Meiner Meinung nach nicht. Man muss sich zwar erst einlesen in die Geschichte und die Sprache. Aber ohne dieses Gesäusel und die typischen Floskeln, ginge viel von dem Gefühl verloren, das zwischen den Zeilen versteckt ist.

Die Autorin

Perihan Mağden ist in der Türkei einem breiten Publikum bekannt, auch durch ihre Zeitungskolumnen. Sie gehört zu den türkischen Stimmen in der Literatur, die sich nicht scheuen, unangenehme Themen anzusprechen, auch wenn es Klagen und Gerichtsverfahren nach sich zieht. Doch was soll ich viele Worte machen, wenn man in der FAZ einen unterhaltsamen Beitrag über Perihan Mağden lesen kann.

Fazit

Wer sich ein wenig für die moderne türkische Gesellschaft in Istanbul interessiert, dem sei Zwei Mädchen: Istanbul-Story ans Herz gelegt. Es ist ein beklemmendes Buch, das Augen öffnet und nichts beschönigt. Sehr lesenswert!

Das Buch Zwei Mädchen: Istanbul-Story* ist im Suhrkamp-Verlag erschienen, wie auch zwei weitere Romane von Perihan Mağden.

Buchcover: ©Suhrkamp
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