Die Sache mit dem Ü

Für deutsche Ohren klingt die türkische Sprache nach einem einzigen Konglomerat von Üs. Ich habe eine Neuigkeit für dich. Es gibt auch andere Vokale.

Buchstabe ÜDas türkische Alphabet hat 29 Buchstaben, 8 davon sind Vokale: a, e, i, o, ö, u, ü und ı.

Letzterer ist ein ganz spezieller türkischer Vokal, ein i ohne Punkt. Sieht komisch aus und beim Schreiben ist man immer versucht, dem kleinen Buchstaben ein Pünktchen zu verpassen. Das ı wird irgendwo hinten im Rachen gesprochen, es ist ein Hinterzungenvokal, eine Mischung aus i und e, und ich habe ganz schön viel Probleme damit, es ordentlich über die Lippen zu bekommen.

Aber zurück zum Ü. Warum hört sich für uns Türkisch so an, als bestünde die Sprache nur aus Üs? Ein Teil des Geheimnisses heißt „Vokalharmonie“. Wenn ich ein Wort mit einem Suffix versehe, dann muss ich dieses Anhängsel nach bestimmten Regeln entsprechend des Vokals in der vorangehenden Silbe wählen. Uff. Vokalharmonie. Allein dieses Wort finde ich schon wunderbar und ich glaube, vor allem sie macht die türkische Sprache so klangvoll.

Türkisch ist eine agglutinierende Sprache. Das heißt, dass man grammatische Funktionen im Satz z. Bsp. nicht durch anzeigende Wörter wie Präpositionen ausdrückt, sondern durch Suffixe.

Almanyada = in Deutschland.
Almanya = Deutschland, -da = in.

Ohne Linguistenchinesisch heißt das, der Aufbau der Sprache unterscheidet sich völlig von den meisten europäischen Sprachen und es kann passieren, dass man einen ganzen Satz in ein einziges Wort verpackt findet.

Mutluyum. = Ich bin glücklich.
Mutlu = glücklich, -yum = ich bin.

Dieser Sprachaufbau, zusammen mit der Vokalharmonie, steckt hinter der Ü-Schwemme in manchen Sätzen.

Beispiel:

Türk = Türke (Das war einfach.)

Türk ? = Ist er Türke? (Das Wörtchen zeigt die Frage an und gemäß Vokalharmonie ist es manchmal auch ein mi, mu oder . Alman ? = Ist er Deutscher?)

Türk müsün? = Bist du Türke? (Klar? Müsün bedeutet „Bist du …?“ Das -sün am ist der grammatische Ausdruck für die 2. Person Singular, ist je nach Vokalharmonie aber manchmal auch ein -sin, -sın oder -sun. Güzelsin. = Du bist schön.)

Türk müsünüz? = Sind Sie Türke? (Das ist jetzt nicht mehr so schwer. Das –sünüz steht für die Höflichkeitsform oder die 2. Person Plural. Je nach Vokalharmonie … Ach, das sollte klar sein, oder?)

Damit haben wir 4 Üs in einem Satz untergebracht. Alles verstanden? Wunderbar!

Dann bis bald. Görüşürüz.

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2 Kommentare zu Die Sache mit dem Ü

  1. Vier Üs in einem Satz sind ja noch gar nichts 😀

  2. Wie wahr, wie wahr…. Hach, ich bin immer wieder begeistert und gerührt, wenn ich Deutsche sehe, die sich mit unserer Sprache und Kultur beschäftigen, sie verstehen und annehmen…das sollten sich so manche Türken als Beispiel nehmen. Ich danke Dir, liebe Katja. Deine Zeilen zu „Über die Autorin“ fand ich übrigens auch toll!

    Dieser Artikel erinnert mich gerade an einer meiner Beiträge, in meinem Blog. An den hier, z.B. : „Türkisch für Anfänger und gleich wieder Aufhörer“ :)

    Ich bin jetzt schon ein Fan von Deinem wundervollen Blog, danke und weiter so!
    LG
    Ayse

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